Chronik


Aus der Geschichte unserer Schule

Stand 1968

Von Heinrich Breves, Hauptlehrer

Unsere moderne Zeit ist weithin unhistorisch, d.h. , sie misst der Geschichte keinen allzu großen Bildungswert zu. Die Beschäftigung mit ihr ist nicht mehr als antiquarische Liebhaberei. Unsere vorwärts drängende, vorwärts stürmende Welt hat kaum geschichtliche Parallelen in der Vergangenheit. Geschichte soll nicht mehr dem nationalen Pathos dienen; doch liegt Europa erst als Wunschbild vor uns. Um es aus der Vergangenheit zu untermauern, müssen wir weit zurückgehen - zum „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“ (962), das 1806 sein Ende fand. So ist denn für viele die Geschichte nur ein Arsenal der Vergangenheit, in das sie wissbegierig einen Blick werfen möchten, „zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht und wie wir‘s dann zuletzt so herrlich weit gebracht“ (Famulus Wagner in Goethes Faust).

Die Geschichte unserer Schule ist eingebettet in die Geschichte des Ortes. Sie geht in ihrer Entstehung laut Aufzeichnung in Chroniken auf das Jahr 1588 zurück. Der Impuls, die Jugend planmäßig zu unterrichten und sie im christlichen Glauben zu erziehen, ging zweifellos von der Reformation aus.
Hatte doch Martin Luther, dem die Bildung sehr am Herzen lag, schon 1524 zum Bau von Schulen aufgefordert. In seiner Schrift: „An die Bürgermeister und Ratsherren aller Städte in deutschen Landen, dass sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen“ fordert er, Lehrer anzustellen und die Jugend zu unterrichten, In den Städten drang sein Ruf eher durch; auf dem Lande wurde er erst später gehört und verwirklicht. Ob vor Luther und der Reformation hier schon eine Schule bestand, lässt sich nicht nachweisen, es ist aber unwahrscheinlich.
Aufschlussreich ist die Bemerkung bei der Generalvisitation von 1588 bei Wallensen: „Der Opfermann hat 6 Knaben in der Schule. Die Leute sind ungeneigt zur Schule, sonderlich die Sommerszeit über.“
Der Unterricht wurde von 1726 an im ersten Lehrerhaus abgehalten, das einen großen Klassenraum besaß und die Lehrerwohnung für den Kantor. Die erste Schule (1620) war einklassig. Der Lehrer hatte 8 Kinder zu unterrichten. Das eigentliche Schulhaus (heutige Gemeindeverwaltung) wurde 1835/36 errichtet.
Zu Michaelis des Jahres 1838 wurde die Schule zu einer einklassigen Knaben- und einklassigen Mädchenschule erweitert. Der erste Lehrer war Knabenlehrer, Kantor und Organist. Der zweite Lehrer war Mädchenlehrer und Küster.

Nachdem der „Töchterlehrer“ Sauerborn am 1. Oktober 1886 in den Ruhestand getreten war, wurde wieder eine neue Regelung getroffen. Aus der nach Geschlechtern getrennten Knaben- und Mädchenschule wurde nun eine reguläre zweiklassige Schule. Es mag merkwürdig anmuten, dass man damals nicht nach Jahrgangs- und Altersklassen, sondern nach Geschlechtern trennte. Das hat zweifellos verschiedene Gründe: Man sagte, Jungen und Mädchen seien zu verschieden, um sie gemeinsam zu unterrichten. Auch aus Gründen der Disziplin sei eine Trennung vorzuziehen. Der Ausbildung der Mädchen wurde weniger Bedeutung beigemessen.

Die Klasse 1 vereinigte die Oberstufe (Kinder von 10 - 14 Jahren), die II. Klasse (Grundschule) die Kinder von 6 - 10 Jahren. 1905 wurde die Schule dreiklassig mit zwei Lehrern. 1920 erhielt sie 3 Lehrer und der 1. Lehrer wurde zum Hauptlehrer ernannt. Aber nur 2 Klassenräume standen zur Verfügung. Die wachsende Kinderzahl machte schon Ostern 1925 eine Aufteilung in 4 Klassen notwendig. Zur Lösung der Raumfrage wurde der Saal des Gastwirtes O. Thiele (Niedersachsenkrug) gegen eine jährliche Entschädigung von 400 Mark vom Flecken gemietet. Die Fleckenvertretung erwog, einen dritten Klassenraum auf die Scheune des zweiten Lehrerhauses (1889 erbaut) zu setzen. Dazu wurde aber die Genehmigung von der Regierung nicht erteilt.

Die neue Schule 1931

In einer gemeinsamen Sitzung beauftragte ein Vertreter der Regierung den Landrat, den Schulrat und die Gemeinde Wallensen, einen passenden Bauplatz zur Errichtung eines neuen Schulgebäudes zu beschaffen. Dazu wollten sich Landrat und Schulrat bemühen, die Gemeinden Thüste, Ockensen und Levedagsen für eine Einschulung ihrer Kinder nach Wallensen zu gewinnen. Diese Bemühungen hatten jedoch keinen Erfolg und so baute Wallensen die neue Schule 1931/ 32 allein. Am 18.10.1931 wurde zum ersten Male Unterricht im neuen Gebäude erteilt. Durch die Evakuierung vieler Kinder aus Hannover am Ende des Krieges wurde die Schule fünfklassig, am 1.4.1944 sogar sechsklassig. Mit dem Einmarsch der Amerikaner im April 1945 wurde sie geschlossen und durfte erst am 11.3.1946 wieder eröffnet werden. Mit vielleicht 300 Kindern und 2 Lehrkräften begann der Lehrbetrieb wieder. Ostern 1947 kam eine 3. Lehrkraft hinzu, im August 1947 die vierte. 1952/53 war die Schule siebenklassig mit 5 Lehrkräften und 4 Klassenräumen.

Schule im Wohngebiet

Mit dem Wiederaufbau der Mittel- und Oberschulen trat eine Abwanderung der begabten Kinder und eine Minderung der Schülerzahl ein. So war die Schule am 1.5.1954 fünfklassig mit 5 Lehrkräften.
Neue Aufgaben bekam unsere Schule 1962 durch die Einführung des 9. Schuljahres. Die Lehrküche wurde mit neuen Elektroherden ausgestattet und ein Werkraum wurde neu eingerichtet. Da die 4 regulären Klassenräume für die Schülerzahl nicht ausreichten, musste der inzwischen eingerichtete Gemeinschaftsraum in der alten Schule (Mühlenstraße) mit als Klassenraum benutzt werden.
In den Jahren 1965/66 erhielt die Schule einen Anbau mit einer Pausenhalle, moderne Toiletten, 3 Klassenräumen und 3 Nebenräumen. Er wurde am 30. November 1966 eingeweiht. Heute ist unsere Schule eine voll ausgebaute einzügige Mittelpunktschule mit 253 Kindern, 8 hauptamtlichen und 2 technischen Lehrkräften.
Mit moderner Lehrküche und einem Werkraum sowie entsprechenden Fachkräften für die technischen Fächer ausgestattet, ist die Schule bemüht, allen Kindern ein möglichst breites Wissen zu vermitteln. Auch der Englischunterricht ist in ihr seit 1946 stets mit besonderem Erfolg erteilt worden.
Für die 8. und 9. Klassen gibt die Teilnahme an wahlfreien Kursen in Stenografie und Maschinenschreiben allen Jungen und Mädchen, die kaufmännische Berufe anstreben, eine gute Grundlage, auf der sie weiterbauen können.

Schule im Wohngebiet

Die historischen Anfänge unserer Schulentwicklung liegen in der Mühlenstraße. Das kommt durch die frühere Verbindung von Kirche und Schule. Seit 1726 bewohnte der erste Lehrer (Kantor) das 1. Lehrerhaus. Es wurde 1845/46 erneuert. Der zweite Lehrer wohnte im Pfarrwitwenhaus (heute Frau Sander), bis 1889 das 2. Lehrerhaus gebaut wurde. Erst 1837/38 wurden Küster- und Schuldienst miteinander verbunden. Vorher ist der Küsterdienst von einem Wallenser Bürger versehen worden.

Hier noch eine kurze Übersicht über die Entwicklung der Schülerzahlen:

  • 1588 - 6 Kinder
  • 1620 - 8 Kinder
  • 1749 - 50 Kinder
  • 1792 - 70 Kinder
  • 1838 - 140 Kinder
  • 1946 - 300 Kinder
  • 1968 - 253 Kinder

An der Schule Wallensen haben, soweit bekannt ist, ab 1667 folgende Schulleiter gewirkt:

  1. Withun, Justus etwa 1667 - 1675.7
  2. Stranckmann. Joh. 1676 - 1712.
  3. Reichmann, Erich 1712 - 1742. Am 25.8.1742 in Wallensen gestorben.
  4. Künnecke, Lorentz 1742 - 1789. Am 10.11.1796 in Wallensen gestorben.
  5. Künnecke, Georg Ernst August (Sohn des Vorgängers) 1789 - 1838. Am 2.8.1838 in Wallensen gestorben.
  6. Battmer vom 1.10.1838 - Ostern 1840. Dann nach Salzhemmendorf versetzt.
  7. Ölschläger von 1840 - 1850. Dann nach Landwehrhagen/Hann Münden versetzt.
  8. Runge von 1850 - 1874. Am 7.4. 1874 (Ostern) in Wallensen gestorben.
  9. Loges vom 1. August 1874 - 1. Oktober 1894. Ging dann in den Ruhestand.
  10. Seutemann, Fritz am 1. Oktober 1894 von der 2. Lehrerstelle auf die 1. Lehrerstelle berufen. Am 18.10.1908 gestorben.
  11. Buchholz, Alfred am 1.4.1909 auf die 1. Lehrstelle berufen. Am 1.10.1920 zum Hauptlehrer ernannt. Ab 1945 im Ruhestand in Wallensen. Am 30.3. 1956 im Krankenhaus zu Hildesheim gestorben.
  12. Breves, Heinrich nach Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft am 16.11.1945 von Barnstorf Krs. Diepholz nach Wallensen versetzt. Am 1.12.1945 zum Hauptlehrer ernannt.

Lehrkräfte, die ab 1838 an unserer Schule gewirkt haben:

„Töchterlehrer“ (2. Lehrer)

  1. Carl Friedrich Ernst Funk (Pflegesohn des Kantors Künnecke, Neffe seiner Frau). Seit 1830 Adjunkt bei Pastor Jatho. Von 1838 -1846 Lehrer.
  2. Hengstmann. August von 1846 - 1850.
  3. Sauerborn. Peter Fr.-Wilh. geb. in Esbeck. Hilfslehrer in Hemmendorf, Salzhemmendorf. Lehrer in Weenzen (1841). Von 1850 - 1.10.1886 in Wallensen.
  4. Seutemann, Fritz vom 3.10. 1886 - 1894.
  5. Schlie. Wilhelm aus Kl. Heidorn vom 9.3.1895 - 30.9.1922 in Wallensen. Gestorben 1942 84-jährig in Nienburg/Weser.

Lehrkräfte, die nach dem 1. Weltkrieg an unserer Schule wirkten:

  1. Reinecke. Friedrich vom 10.7. 1920 - 31.3. 1929. Als Rektor in Hannover-Buchholz im Juni 1952 verstorben.
  2. Koch, Albert vom 1.10.1922 - 30.9.1925. Zum 1.10.1925 versetzt nach Dörpe. Lebt im Ruhestand in Hohnsen, Hameln.
  3. Pfennig, Philipp vom 1.4.1929 - 31.3. 1938. Zum 1.4.1938 versetzt nach Osterwald. Lebt im Ruhestand in Hameln.
  4. Wienhöfer, Wilhelm vom 1.14.1929 - 31.3.1938. Zum 1.4.1938 versetzt nach Hannover. Dort verstorben.
  5. Westermann, Gertrud vom 15.6.1938 - 30.9.1939. Versetzt nach Brünnighausen.
  6. Gieseke, Gustav vom 1.4.1938 - 31.3.1966. Lebt seit dem 1.4.1966 im Ruhestand in Melle/Osnabrück.
  7. Kaiser, Elfriede vom 1.4.1942 - 31.3.1943. Versetzt nach Todtenhausen/Minden.
  8. Otto, Käthe, vom 15.12. 1942 - 14.12.1943. Dann nach Hannover zurückgekehrt.
  9. Trobitius, Ingeborg vom 1.4. 1943 – April 1945.
  10. Oltsch, Waltraut vom 19.1.1944 – April 1945.
  11. Siede, Willi vom 1.12.1942 - 13.12.1943. 1945 beim Bombenangriff ums Leben gekommen.

Lehrkräfte nach dem II. Weltkrieg:

  1. Gerke, Margarete vom 1.10.1945 - 30.9.1950. Lebte im Ruhestand in Hohenbüchen. Verstarb 1957 im Krankenhaus Hameln.
  2. Schneider, Hans vom 1.5.1947 bis heute.
  3. Werner, Bruno vom 1.11.1949 - 31.3.1955. Nach Salzhemmendorf versetzt. Heute Mittelschule Lemgo/Lippe.
  4. Werner, Christel vom 1.1.1953 - 31.3.1956. Nach Salzhemmendorf verzogen.
  5. Winter, Ilse geb. Reinhardt vom 16.10.1950 - 31.3.1952. Versetzt nach Braunschweig.
  6. Heiligenstädt, Ursula vom 1.12.1956 - 30.9.1959. Versetzt nach Nordrhein-Westfalen.
  7. Schumacher, Hildegard vom 1.5.1960 - 31.3.1962. Versetzt nach Coppenbrügge.
  8. Westhoff, Johannes vom 1.4.1959 - 31.3.1961. Versetzt nach Nordrhein-Westfalen.
  9. Oldenburg, Margret vom 1.4.1961 - 31.3.1964. Versetzt nach Hamburg.
  10. Preuß, Hansgert vom 11.11.1961 bis heute.
  11. Lohmann, Gertrud vom 1.4. 1962 bis heute.
  12. Meueler, Christiane geb. Kunkel vom 17.8.1964 - 17.7.1968. Versetzt in den Krs. Göttingen.
  13. Ahlborn, Heide vom 1.4.1965 - 17.7.1968. Versetzt nach Weende/Göttingen.
  14. Schwikkard, Helmi vom 1.4. 1966 bis heute.
  15. Wiedemann, Volker vom 15.8. 1967 - 1.8.1968. Versetzt nach Geseke Krs. Lippstadt.

Kurzfristig amtierten an unserer Schule:

  1. Savelsberg, Rafaele 1944.
  2. Weiberg, August 1944 - zum 1.1.1945 pensioniert.
    Lebte im Ruhestand in Wallensen, wo er am 27.8.1967 verstarb (89-jährig).
  3. Schaefer, Regina 1945.
  4. Jaeger, Irmgard 1952/53.
  5. Petzschner, Rudolf 1957.
  6. Bettels, Ursula 1957/58.
  7. Schulz, Barbara 1958.
  8. Frau Fünfstück, Lauenstein 1946 - 1948.
  9. Frau Tromnau 1948 - 1953. Nach Hannover verzogen. Dort im Mai 1968 verstorben.
  10. Frau Witt, Frieda 1.8.1953 bis heute.
  11. Frl. Stoyke, Malwine 1.4.1962 - 31.3.1964.
  12. Frau Steins, Ingeborg 1.4.1964 bis heute.

Bei den unter 8 - 12 aufgeführten Kräften handelt es sich um technische Lehrkräfte.

Nachsatz:

Da die Kantoren der Kirche mit den ersten Lehrern bis zu Hauptlehrer Buchholz personengleich sind, ist auf ein besonderes Kapitel „Kantoren“ verzichtet worden.
Dasselbe gilt für das Kapitel „Küster“. Diese sind mit den 2. Lehrern von Funk bis Pfennig personengleich. Vorher ist lediglich im 17. Jahrhundert Conrad Ulrichs und sein Sohn Rudolf bekannt und im 18. Jahrhundert Hans Conrad Stucke bis 1773, dann Joh. Christian Künnecke bis 1818 und Joh. Friedrich Schinull bis 1832. Diese haben kein Schulamt bekleidet.
Die Kantoren waren seit Erich Reichmann auch Organisten der Kirche. Herr Buchholz über seinen Schuldienst hinaus bis zu seinem Tode. Nachfolger waren Lehrer Kabatnik-Ockensen 1956-65, dann Hauptlehrer Lohmann-Thüste. Herr Buchholz hat sich besondere Verdienste um die Verbesserung der Orgel erworben.

Ludwig Schwabe
Pastor